StiftungsReport 2011/12 „Auftrag Nachhaltigkeit“ erschienen

Der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat den StiftungsReport 2011/12 vorgestellt. Er widmet sich dem so aktuellen wie drängenden Thema Klimaschutz und fragt, wie die Rolle der Stiftungen dabei aussieht. Denn wenngleich bislang nur etwa vier Prozent der Stiftungen im Umweltsektor tätig sind (bei den Neuerrichtungen liegt der Anteil bei etwa sieben Prozent) senden diese Stiftungen wichtige Impulse für den Klimaschutz.

Durch die Vielzahl der Stiftungen entstehen vielfältige Klimaschutz-Ansätze

Dabei sind es nicht nur die großen Akteure wie die Umweltstiftung WWF, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt oder die Allianz Umweltstiftung, die mit neuen Ideen, Konzepten und der gezielten Projekt- und Prozessförderung notwendige Maßnahmen ergreifen. Es ist, wie auch in den anderen Fachbereichen, die Vielzahl Stiftungen und damit Vielfalt der Ansätze, die entscheidend ist, um substanzielle Fortschritte zu erzielen. Außerdem ist der Klimaschutz ein Querschnittthema, dem sich zum Beispiel auch viele wissenschaftsfördernde Stiftungen verschrieben haben: So gehen bedeutsame technologische Errungenschaften wie die Entwicklung des Passivhauses auf die Förderung von Stiftungen zurück. Und gerade in Bezug auf den effizienteren Umgang mit Ressourcen leisten Stiftungen neuen Umwelttechnologien durch ihre Unterstützung Vorschub.

Drei Themenkomplexe analysiert der aktuelle StiftungsReport: Agenda-setting, Wissenschaft und Forschung sowie Naturschutz und die Frage klimafreundlicherer Lebensstile. Das Kapitel Agenda-setting untersucht die kommunikativen Leistungen von Stiftungen. Es zeigt, wie Stiftungen Diskursforen schaffen; wie sie Konzepte ausklügeln, anhand derer sich etwa das Zwei-Grad-Ziel erreichen ließe; wie sie nicht nur Kritik an der Wachstumsfixierung üben, sondern Alternativen zum Bruttoinlandsprodukt entwerfen, das ja in ökologischer Hinsicht blind ist. Zudem sensibilisieren Stiftungen wie etwa die Heinrich Böll Stiftung dafür, dass die Folgen des Klimawandels in Entwicklungsländern weitaus schwerwiegendere Konsequenzen haben als in den Industriestaaten, die ihn mit ihren CO2-Emissionen hauptsächlich verursacht haben.

Das Thema nicht allein den Naturwissenschaften überlassen

Im zweiten Schritt widmet sich der Report der Technologie- und Forschungsförderung. Viele Forschungsvorhaben könnten ohne das Engagement von Stiftungen nicht realisiert werden. Manche Stiftungen wie das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung liefern wichtige Erkenntnisse über die Wechselwirkungen des Klimas mit den Weltmeeren, deren Senkenfunktion für das Klima von elementarer Bedeutung ist. Eine ganze Reihe von Stiftungen setzt sich zudem für den intelligenteren, weil effizienteren Umgang mit begrenzten Ressourcen ein und unterstützt die Forschung bei der Entwicklung entsprechender Innovationen. Ein dritter Aspekt, der an dieser Stelle hervorgehoben werden soll, ist die Loslösung des Klimathemas aus der Umklammerung der Naturwissenschaften. In jenen Fachkreisen ist die vom Klimawandel ausgehende Bedrohung schon seit Jahrzehnten ein Thema – allerdings ohne Breitenwirkung, ohne dass der Ernst der Lage in der Mitte der Gesellschaft angekommen wäre. Hier schlägt etwa die Stiftung Mercator neue Wege ein: Indem sie beispielsweise das Kulturwissenschaftliche Institut in Essen fördert, überführt sie das Thema in eine andere Arena. Das Projekt „KlimaKultur“ macht mit vielen Unterprojekten deutlich, welche Auswirkungen Klimawandel und Ressourcenübernutzung für die Gesellschaft und vor allem für folgende Generationen haben werden und was getan werden kann und muss, um die Erderwärmung zu bremsen.

Naturschutz ist Klimaschutz

Im dritten Kapitel schließlich wird gefragt, mit welchen konkreten Maßnahmen Stiftungen das Klima schützen. Zwei Hauptrichtungen sind zu unterscheiden: Einerseits der Naturschutz. Stiftungen wie EuroNatur, die Michael Succow Stiftung oder die Stiftung Naturlandschaften Brandenburg setzen sich für den Erhalt von Mooren, Wäldern und Seelandschaften ein, weil sie als natürliche Senken eine unentbehrliche Rolle im ökologischen Kreislauf spielen. Auch der Schutz der Artenvielfalt, die ebenfalls eine indirekt wichtige Funktion für den Klimaschutz hat, steht bei einigen Stiftungen auf der Agenda.

Andererseits setzen sich zahlreiche Stiftungen dafür ein, Alternativen der konsumbasierten Lebensstils zu mehr Popularität zu verhelfen. Die Stiftungsgemeinschaft anstiftung & ertomis stellt den Aspekt der Eigenarbeit in den Vordergrund. Denn ihrer Ansicht nach wächst der Bedarf nach qualitätsvolleren und nachhaltigeren Produkten, wenn die Menschen selbst in die Position versetzt werden etwas herzustellen. Wie sich das Bewusstsein verändert und ein nachhaltigeres Denken an Raum gewinnt, zeigt sich auch an der urban gardening-Bewegung. Derzeit lässt sich in allen deutschen Städten beobachten, dass die Menschen daran interessiert sind, Obst, Gemüse, Salate und Kräuter selbst anzubauen, dass sie sich stärker mit der Herkunft von Lebensmitteln beschäftigen und die industrialisierte Herstellung zunehmend kritisch hinterfragen. Das mag auch ein Verdienst der Schweisfurth-Stiftung sein, die sich seit 25 Jahren für eine „ökologisch und sozial verträgliche Agrar- und Ernährungskultur“ einsetzt.

Der Tatendrang der Zivilgesellschaft ist eine unersetzliche Größe

Trotz der vielen positiven Beispiele, die Inspiration bieten und Grundlagen für Kooperationen zeigen, will der StiftungsReport nicht nur loben. Er lotet auch aus, wo Stiftungen noch mehr tun oder anders handeln können. So wären zum Beispiel noch mehr Kooperationen sinnvoll, um die Anliegen der einzelnen Stiftungen stärker ins öffentliche Bewusstsein zu transportieren. Deutlich wurde aber auch, dass sich Stiftungen neben der Projektförderung vielleicht noch mehr um Prozesse kümmern sollten. Weitere Anregungen finden sich im Report.

Letztendlich demonstriert der StiftungsReport, wie unterschiedlich die Herangehensweisen der verschiedenen Stiftungen sind. Bei einem Thema von globaler Bedeutung ist genau das auch nötig, da keiner der Ansätze alleine ausreicht, den Klimawandel abzumildern. Vor allem aber entspricht dieses Handeln den Erwartungen sowohl der Bevölkerung (wie eine aktuelle Umfrage für den StiftungsReport auch klar zeigt) als auch der Wissenschaft: Da die Politik nicht in der Lage ist, entschlossen zu handeln, braucht es den Tatendrang der Zivilgesellschaft, wenn die gesetzten Klimaziele nicht zur Makulatur werden sollen.