Kindererziehung: Wenn Kinder ausrasten – 4 Tipps, um cool zu bleiben

Kategorie(n): Parenting
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Von der Kindererziehung zur Beziehung

Wenn Kinder außer sich geraten, z.B. stark weinen oder einen Wutanfall bekommen und toben und herumschreien, bringt das Eltern oft an ihre Belastungsgrenze. Auf einmal gibt es nur noch einen Wunsch: dass das einfach aufhört. Wenn alles geduldige Abwarten und gute Zureden nicht hilft, greifen Eltern dann auch auf Methoden zu, die sie eigentlich ablehnen – beispielsweise drohen sie mit Strafe: „Wenn du jetzt nicht aufhörst zu schreien, nehme ich dich nicht mehr mit!“, „Das war das letzte Mal!“, „Dann gibt es heute eben kein Eis!“.

Neben der inhaltlichen Botschaft kommt bei den Kindern auch an, wie sich die Haltung der Eltern verändert, wenn sie sich körperlich anspannen, sich in sich selbst zurückziehen, ihre Stimme verändern, die eine schrille Note bekommt, bebt oder bedrohlich tief wird und auf einmal flacher atmen.

Anstelle der ursprünglichen Gefühle tritt Angst

All das registrieren Kinder nicht bewusst. Doch sie empfangen diese Signale und in Kombination mit der inhaltlichen Botschaft, löst das bei ihnen Angst aus (was ja, auch wenn man sich das als Elternteil in dieser Deutlichkeit wahrscheinlich ungern eingesteht, der Intention entspricht).

Aus dieser Interaktion nehmen Kinder zweierlei mit:

  1. Sie lernen ihre eigenen Gefühle zu übergehen.
  2. Sie beginnen, Verantwortung für das Befinden ihrer Eltern zu übernehmen.

1. Für die starken Gefühle der Kinder ist oft kein Platz

Das Auftreten von Angst hat oft zur Folge, dass das ursprüngliche Gefühl überlagert wird. Der Streit mit dem kleinen Bruder oder der Schmerz über das kaputt gegangene Spielzeug tritt auf einmal in den Hintergrund. Stattdessen überwiegt die Angst, nicht mehr geliebt zu werden und den Kontakt zum Elternteil zu verlieren.

Die Angst sorgt dafür, dass Kinder sich zusammenreißen und sich von ihren eigentlichen Gefühlen abschneiden. Diese Gefühle bleiben unverarbeitet. Das, worum es ursprünglich ging, dürfen Kinder also nicht fühlen, um weiterhin in der Beziehung zu bleiben. Hilfreicher für die Entwicklung des Kindes wäre es hingegen, wenn es seine Gefühle durchleben dürfte. Denn die Gefühle deuten auf Bedürfnisse hin, die gerade nicht erfüllt werden.

2. Kinder müssen um die Beziehung kämpfen

Zudem lernen sie, dass es an ihnen liegt, den Teil der Verantwortung zu übernehmen, den die Eltern ihnen zugeschoben haben: „Entweder ich verhalte mich jetzt so oder Mama mag mich nicht mehr“, denken sie dann. „Wenn ich nicht still bin, ist Papa böse.“ Hinzu kommen Gefühle wie Schuld und Scham, weil das Kind lernt, dass es durch sein Verhalten Mama oder Papa in so eine schlimme Situation gebracht hat.

Kinder machen so die Erfahrung, dass es wichtig ist, die Aufmerksamkeit von sich weg auf andere zu richten. Und dabei tragen sie die ganze Last der Beziehung. Denn natürlich sehnen sie sich nach Bindung. Schließlich ist die wichtig für ihr Überleben.

Was können Eltern tun? 4 Tipps

Wie dargelegt, ist es sinnvoll, wenn Eltern in der Kindererziehung dafür sorgen, dass Kinder ihre Gefühle ausdrücken können und auch Verantwortung für die Beziehung übernehmen. Sowohl für die Beziehung als auch für die Entwicklung der Kinder ist es hilfreich, die Kinder durch ihre Gefühle hindurchzubegleiten anstatt durch Drohung Angst zu erzeugen. Oft braucht es dafür weniger, als man gemeinhin annimmt. Was also kannst du tun?

  1. Die Situation annehmen: Das Wichtigste ist, dass du dein Kind in seinem Zustand annimmst. Wenn es also gerade vor Wut schreit und um sich schlägt, kannst du dich auf die Höhe des Kindes begeben (dich dazu also hinsetzen oder in die Hocke gehen) und ihm mitteilen, dass du mitbekommst, wie schwierig es offenbar gerade ist. Dabei bieten sich Bemerkungen an wie „Ah, du bist gerade richtig wütend“ oder „Das fühlt sich bestimmt gerade nicht gut an“ oder „Oh, ich sehe, dass ganz traurig bist“. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird sich das Kind dadurch gesehen fühlen und kann sich etwas beruhigen.
  2. Die Situation innerlich uminterpretieren: Je besser es dir als Elternteil gelingt, deine innere Abwehr gegen das vorhandene Gefühl zu transformieren, desto besser trägt das zur Deeskalation bei. Denn unbewusst bekommen Kinder durchaus mit, ob sie gerade angenommen werden oder auf Ablehnung stoßen. Solange sie nicht so akzeptiert werden, wie sie sind, gibt es in ihnen vielleicht auch noch Anteile, die sich Gehör verschaffen wollen, indem sie mit dem weiter machen, was die Eltern so nervt. Als Elternteil kann man sich also fragen: „Wie komme ich von meiner Abwehr hin zu einer liebevollen, akzeptierenden Haltung?“ Es macht einen Unterschied, ob man sich denkt, wie furchtbar dieses Geschrei gerade ist oder ob man sich mit Interesse dem Kind zuwendet und sich fragt, wie man es in einem schwierigen Moment unterstützen kann.
  3. Präsent sein: Wenn Wutanfälle oder Ausraster länger dauern, reicht es manchmal auch gar nichts zu sagen, sondern stattdessen einfach da zu sein. Töne wie ein akzeptierendes „Hmmm“ unterstreichen das.
  4. In die Selbstfürsorge gehen: Was immer von Vorteil ist: Atme durch! Verschaffe dir eine kurze Auszeit, indem du zum Beispiel kurz den Raum verlässt und deinen eigenen Körper und die vorhandenen Gefühle ganz bewusst wahrnimmst. Falls nötig und möglich, hole dir Unterstützung – kurzfristig kann das dein:e Partner:in sein, ansonsten natürlich auch eine professionelle Begleitung.

Hinterher, wenn das Kind wieder bei sich ist, empfiehlt es sich, die Situation gemeinsam einzuordnen. Hilf deinem Kind zu verstehen, wie du die Situation wahrgenommen hast, ohne es zu verurteilen. Teile ihm mit, was es für Alternativen gegeben hätte und was sie bei dir ausgelöst hätten. Und sei nachsichtig, wenn es sich beim nächsten Mal wieder so verhält. Es braucht einfach seine Zeit.

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